1. Projektziele

Das Projekt HELP-S hat sich zum Ziel gesetzt, folgende Forschungsfragen zu beantworten:
1. Wie viele Kinder in Sachsen haben psychisch erkrankte Eltern?
2. Welchen spezifischen Bedarf weisen diese Kinder auf?
3. Welche Hilfsangebote sind in Sachsen bereits vorhanden?
4. Wie gehen Nervenärzte mit der Thematik "Elternschaft und psychische Erkrankung" um?
5. Wie kann die Situation von Kindern psychisch erkrankter Eltern in Sachsen verbessert werden?

 

2. Methode

Um diese Forschungsfragen zu beantworten, wurde eine Stichtagsbefragung in 43 Nervenarztpraxen in Sachsen durchgeführt. An dieser nahmen alle Patienten mit minderjährigen Kindern teil. Sowohl die teilnehmenden Eltern (n=128) als auch der behandelnde Nervenarzt (n=43) beantworteten einen Fragebogen.

 

 

3. Ergebnisse

a. Patientenbefragung

Als ungedeckten Bedarf geben die Eltern am häufigsten Auszeiten/ Ruhezeiten für sie selbst (61%), einen vereinfachten Zugang zu Hilfen (50%), finanzielle Unterstützung (47%), Ärzte und Fachkräfte, die sich für ihre Situation als Eltern interessieren (44%) und mehr Kontakt zum Kind während stationärer Behandlung (42%) an. Bei den Kinder wir als ungedeckter Bedarf am häufigsten der Aufbau von sozialen Fähigkeiten / Bewältigungsmöglichkeiten (38%), eine Anlaufstelle bei allgemeinen Problemen / Erkrankungen (32%), Angebote zur Vorbeugung von Problemen/Erkrankungen (32%) und Freizeitangebote (31%) benannt. Am häufigsten werden folgende Hilfsangebote bereits genutzt: Angebote der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (23%), Erziehungsberatung (18%), Familienberatung / -therapie (17%), Angebote des Jugendamtes (17%) und Angebote vom Kinderarzt (15%). Gründe keine Hilfen in Anspruch zu nehmen sind vorwiegend, dass keine Angebote bekannt sind (21%), Angst vor Vorurteilen und Ausgrenzung (16%) und dass die Kinder vom Thema psychische Erkrankung ferngehalten werden sollen. Die Elterneinschätzung zu den Stärken und Schwächen ihrer Kinder ergab, dass 42,6 % der Kinder einen Gesamtproblemwert im grenzwertigen oder auffälligen Bereich im Vergleich zu 18,5% der Kinder in der Allgemeinbevölkerung erreichten.

 

b. Nervenarztbefragung

An der Nervenarztbefragung nahmen 43 Ärzte teil. Von Ihnen geben nur 32% an, sich gut über die Thematik "Elternschaft und psychische Erkrankung" informiert zu fühlen. Gleichzeit sind 82% bereit, an einer Fortbildung zu dieser Thematik teilzunehmen. Am häufigsten empfehlen sie Patienten mit Kindern eine Behandlung durch einen psychologischen Psychotherapeut, eine Kontaktkaufnahme zum Jugendamt sowie Familienberatung/ -therapie. Für die Kinder ihrer Patienten empfehlen sie am häufigsten eine Kontaktaufnahme zum Kinder- und Jugendpsychiater/ -psychotherapeut oder zum Schulpsychologen.

 

 

4. Hilfeatlas

Im Rahmen des Projektes HELP-S wurden alle ambulanten Unterstützungsangebote für Kinder psychisch erkrankter Eltern in Sachsen recherchiert und in einer Übersicht zusammengetragen. Diese Übersicht soll sowohl Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil als auch Personen, die mit dieser Zielgruppe zusammen arbeiten, die Suche nach geeigneten Hilfsangeboten erleichtern. Der Hilfeatlas wird in gedruckter Form und als Onlineangebot veröffentlicht.


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